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Vorträge

In ihrem teils heiteren, teils anrührenden Vortrag stellt die Schauspielerin und Publizistin Steffi Böttger Fragen, um die gern ein großer Bogen geschlagen wird: war Clara Schumann eine »eiskalte Karrieristin«, als die sie bisweilen bezeichnet wird, oder doch eine liebevolle Mutter? Wie hat sie als ihre eigene Konzertagentin verhandelt und bis zu 200 Auftritte im Jahr organisiert, bei denen sie möglichst immer auch ihren eigenen Flügel mitnahm? Wie sah es aus mit den Finanzen der europaweit gefeierten Pianistin – war sie Millionärin oder stand sie stets kurz vor der Pleite? Sicher jedoch ist eines: Clara Schumann war eine Frau mit ungeheurer Kraft, die auch im hohen Alter, gequält von den verschiedensten Gebrechen, ein Konzert nach dem anderen gab, und einer bedingungslosen Liebe zu ihrer Kunst.

Wer kennt heute noch die Anekdoten um die sogenannte Erste Romantische Schule, den Kreis um August Wilhelm und Friedrich Schlegel, ihre Frauen Caroline und Dorothea und um Jena, das Hauptquartier der romantischen Bewegung um 1800?
Verknüpft damit ist eine dramatische Geschichte um Eifersucht und Größenwahn– und ein unterhaltsamer kulturgeschichtlicher Exkurs. Leicht und amüsant werden dabei die Hintergründe beleuchtet, wie sich eine künstlerische Richtung gegen Altes durchsetzte, und wie um Pfründe auf dem deutschen Buchmarkt gekämpft wurde.  

Im Jahre 1787 weilte Johann Wolfgang Goethe während seiner italienischen Reise beinahe drei Monate in Neapel, das ihm prächtig gefiel. Er liebte das Klima, das Meer, die Menschen, Essen und Wein. Anders Felix Mendelssohn Bartholdy. Als Knabe saß er zu Füßen des verehrten Meisters Goethe, und im Jahre 1831 unternahm er, inspiriert von Goethe, die fast gleiche Reise. In Neapel jedoch fühlte er sich endgültig unbehaglich. Der Scirocco wehte, die Neapolitaner erschienen ihm faul und betrügerisch, und das Fazit seines Aufenthaltes lautete: Ich sehne mich mehr und mehr nach London.
Beide haben ausführlich Bericht erstattet: Goethe in seiner berühmten Italienischen Reise, Mendelssohn in Briefen an seine Familie und Freunde.
In ihrem unterhaltsamen Vortrag beleuchtet Steffi Böttger die Reisebedingungen im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert, die Stadt Neapel, aber auch die Vorstellungen und Wünsche, die mit Reisen verbunden waren und sind. 

Als im April 1818 der erste Enkel im Hause Goethe zur Welt kommen sollte, zog sich der Großvater, Geheimrat Johann Wolfgang von Goethe, nach Jena zurück. Die Meldung, am 9. des Monats sei ein Junge geboren worden, bereitete ihm jedoch Glücksgefühle. Der Knabe wurde auf den Namen Walther Wolfgang von Goethe getauft, nach seinem Vater und seinem Großvater, in dessen Gesellschaft er eine glückliche Kindheit voller Verständnis, Anregung und zärtlicher Hingabe erlebte.
Dennoch trug er schwer an der Bürde des großen Namens. Die Meßlatte hing so weit oben, dass ein Mensch mit durchschnittlichen Talenten, wie Walther es war, sie nicht erreichen konnte. Ein abgebrochenes Musikstudium bei Felix Mendelssohn Bartholdy in Leipzig und Carl Loewe in Stettin, eine erfolglose Karriere als sozialkritischer Schriftsteller, Unglück in seinen Liebesbeziehungen zu Robert Schumann oder dem Arzt Romeo Seligmann - Walther von Goethes Leben war eine Aneinanderreihung von Ängsten, Depressionen und der Gewissheit, den eigenen hohen Ansprüchen nicht zu genügen.
Seit dem Regierungsantritt von Großherzog Carl Alexander 1853 wurde Walther von Goethe dessen wichtigster kulturpolitischer Berater und erwies sich als feinfühliger, aber autonomer und unbestechlicher Freund. Sein größtes Verdienst jedoch ist es, gegen alle finanziellen Versuchungen und Bedrängungen durch die preußische Regierung, den schriftlichen Nachlass seines Großvaters, das Goethe-Haus und die bedeutende Kunstsammlung nicht verkauft und in alle Winde verstreut zu haben. Trotz einem Leben in ärmlichen Verhältnissen bestimmte er testamentarisch, dass erst nach seinem Tode das Großherzogtum Sachsen-Weimar und die Großherzogin Sophie die Erben sein sollten. Damit legte er den Grundstein zum Goethe- und Schiller-Archiv Weimar und für die Einrichtung des Goethe-Nationalmuseums.
Die Schauspielerin und Publizistin Steffi Böttger stellt den Enkel Goethes in Briefen, Tagebüchern und Beobachtungen seiner Zeitgenossen vor - einen scheuen, sich vor anderen in Förmlichkeit verschließenden Mann. 

Erstmalig 1849 kam Wagner in die Schweiz. Der Zürcher Staatsschreiber Johann Jakob Sulzer ebnete ihm den Weg ins Exil, das Wagner wegen seiner Teilnahme an den März-Aufständen in Dresden wählen musste. "Ihren gewohnten republikanischen Standpunkt", mit dem sich die Schweizer Künstler über seine Verfolgung äußerten, empfand er als wohltuend. Er fühlte sich geborgen - und auch finanziell sicher, denn Franz Liszt finanzierte zunächst seinen Aufenthalt. Das Luxus-Exil war kreativ und turbulent. Wagner fand hier nicht nur äußerliche Ruhe sondern auch seine Muse, Mathilde Wesendonck - was freilich zum Ende seiner Ehe führte.
Auch Jahre später, als er Luzern zu seinem ständigen Wohnsitz wählte, hatte er Deutschland - in diesem Falle München - mit seiner Geliebten Cosima Bülow verlassen müssen. Zunächst im Hotel Schweizerhof logierend, konnte er im April 1866 mit dem Besitzer, Oberstleutnant Walter Am Rhyn, einen Mietvertrag für den idyllisch am Vierwaldstättersee gelegenen Landsitz in Tribschen abschließen. "Ich kenne keinen schöneren Ort auf der Welt, keinen heimischeren als diesen.", schrieb er an den bayerischen König Ludwig II.
Sechs glückliche, fruchtbare und erfüllende Jahre lagen hier vor ihm. Er vollendete nicht nur die „Meistersinger von Nürnberg“ und nahm die Arbeiten am „Ring des Nibelungen“ wieder auf, sondern komponierte auch das berühmte „Siegfried Idyll (zunächst Tribschener Idyll genannt) sowie den „Kaisermarsch“ anlässlich der Gründung des Deutschen Reiches 1871. Daneben entstanden auch einige Texte, wie „ Über das Dirigieren“ und „Über Beethoven“.
Erst 1872, mit dem Kauf des Grundstücks in Bayreuth, auf dem später die Villa "Wahnfried" stehen sollte, und der Gründung des Verwaltungsrates für die Bayreuther Festspiele fand Wagners Tribschener Aufenthalt sein Ende. Am 22. April verabschiedete sich Wagner schweren Herzens von der Schweiz.
Aus Briefen, autobiografischen Schriften und den Berichten von berühmten und weniger prominenten Zeitgenossen zitierend, berichtet die Schauspielerin und Publizistin von Wagners Idyll auf Zeit.  

Steffi Böttger, VorträgeFoto: Armin Kühne

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